Die verbreitetste Behauptung dazu ist falsch: Es liegt nicht an einzelnen Wörtern. „Kribbeln“, „Gänsehaut“ und „ein Lächeln umspielte ihre Lippen“ stehen seit dreißig Jahren in menschlich geschriebenen Romanen. Wer danach sucht, verdächtigt die Falschen.
Was auffällt, ist struktureller Natur. Vier Muster tauchen so regelmäßig auf, dass ich sie inzwischen im ersten Absatz sehe.
1. Figuren sagen, was sie fühlen
„Sie war nervös.“ „Er wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte.“ Sprachmodelle beantworten die Frage nach dem Innenleben direkt, weil sie darauf trainiert sind, Fragen zu beantworten. Prosa funktioniert umgekehrt: Die Leserin soll es schließen, nicht erfahren.
Der Test ist simpel. Streich jeden Satz, der ein Gefühl benennt. Bleibt die Szene verständlich, war der Satz überflüssig. Wird sie unverständlich, fehlt eine Handlung, die das Gefühl zeigt – und die musst du schreiben.
2. Alles ist gleich wichtig
Generierte Beschreibungen behandeln den Türgriff mit derselben Sorgfalt wie die Leiche im Raum. Das liegt daran, dass ein Modell keine Aufmerksamkeit hat, sondern Vollständigkeit anstrebt. Menschen nehmen selektiv wahr, und diese Auswahl ist die Figurenperspektive.
In der Überarbeitung heißt das: drei Details behalten, den Rest streichen. Welche drei, entscheidet nicht der Raum, sondern die Figur, die ihn betritt.
3. Der Rhythmus ist zu gleichmäßig
Absätze mit vier bis fünf Sätzen, Sätze mit zwölf bis achtzehn Wörtern, sauber wechselnde Satzanfänge. Das liest sich glatt und fühlt sich tot an. Spannung entsteht durch Ungleichheit – ein langer Satz, der sich aufbaut, und dann ein kurzer, der ihn zerschlägt.
Nebenbei ist das der Grund, warum sorgfältig schreibende Menschen von KI-Detektoren fälschlich beschuldigt werden. Glatte Prosa ist verdächtig, egal wer sie geschrieben hat. Ich halte die Detektoren für das größere Problem – dazu ein andermal mehr.
4. Kein Subtext
Das ist der härteste Punkt und der, an dem am meisten Arbeit hängt. Ein Dialog, in dem beide Figuren sagen, was sie meinen, ist ein Protokoll. Ein Dialog, in dem sie über den Abwasch reden und beide wissen, dass es um etwas anderes geht, ist eine Szene.
Sprachmodelle produzieren zuverlässig das Protokoll. Sie können es nachträglich sogar analysieren, wenn du sie danach fragst – aber sie schreiben es nicht von selbst.
Was daraus folgt
Keins dieser Muster ist ein Argument gegen KI im Schreibprozess. Sie sind ein Argument dafür, dass zwischen Rohfassung und Buch echte Arbeit liegt – dieselbe Arbeit übrigens, die auch zwischen einer menschlichen Rohfassung und einem Buch liegt. Nur ist sie hier vorhersehbarer, weil die Schwächen immer dieselben sind.
Das ist eine gute Nachricht: Vorhersehbare Fehler lassen sich mit einer Checkliste abarbeiten. In den kommenden Wochen nehme ich mir jedes dieser vier Muster einzeln vor, mit je einem Handgriff, den du an deinem eigenen Text ausprobieren kannst.
Wenn dich der rechtliche Teil beschäftigt — wann ein Buch als KI-generiert gilt und wo es erscheinen darf: dafür gibt es die Regelwerk-Matrix. Vier Seiten, kostenlos. fassura.net/matrix
Wenn dich der rechtliche Teil beschäftigt – wann ein Buch als KI-generiert gilt und wo es erscheinen darf –, dafür gibt es die Regelwerk-Matrix. Eine Seite, kostenlos.